Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























24. November 2017:
Verwirrung



Ich spreche pro Tag weitaus mehr Wörter als die Durchschnitts-Bevölkerung. Sagt mein Mann Rüdi. Sollte eigentlich reichen für einen routinierten Umgang mit der deutsch-schwäbischen Sprache. Bis Silke mich auf diese kleine, ähm, Unstimmigkeit aufmerksam macht ...



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©Rüdiger Lutz Fotografie



Nachdem dieser Tage der Knoten beim „Klopfen“ (Infos dazu in diesem VIDEO) so prima geplatzt ist, schwebe ich ein bissel. Damit ist die Zeit gekommen für neue Hausaufgaben. Die kriege ich heute von Lehrerin Silke. Sie will sich an ganz Hartnäckiges heranwagen: der neuen Definition einiger Wörter, die eine gewichtige Rolle in meinem Leben spielen. Verwirrung meinerseits. Hm, wieso neue Definition? Wörter sind eben Wörter. Was gibt es daran anders zu interpretieren?



Seltsame Angsthasen-Anwandlungen


Wir quatschen über Sicherheit/sich nicht sicher fühlen, Kontrolle haben/Kontrollverlust, Macht haben/sich machtlos fühlen. Dabei fällt mir eines auf: Wenn du bekloppt bist, merkst du das selbst meistens nicht. Eher die anderen. Wenn du Angstpatient bist, ist das ähnlich. Wir Angsthasen haben eine kuriose Welt in der eigenen Seele geschaffen, die nur wir selbst verstehen. Für andere ist diese Welt verrückt fremd, denn wir Angstis finden die seltsamsten Dinge SOS-gefährlich, uns dabei machtlos oder in panischer Unsicherheit. Kontrollverlust ist ein großes Wort, das uns beständig begleitet. Kontrollverlust ist doof. Zumindest den, den ich mir in meiner Welt definiert hatte. Dabei gibts den so in echt ja gar nicht. Sag das aber mal meiner Kompanie (Erklärung siehe unten), die kann darüber nur entsetzt lachen.

Mein hervorragend funktionierendes Alarmsystem beispielsweise hält alles außerhalb meines Zuhauses für megagefährlich. Untergliedert in verschiedene Gefahrenstufen, je nachdem, wohin es gehen soll. Für mich so normal wie morgens aufstehen und als Erstes Pipi machen. Denk ich ja auch nicht näher drüber nach. Über die komischen Gefahren wiederum ebenso wenig. Die sind da und basta. Reine Gewohnheit. Liegt daran, dass meine Gefahren-Angstwelt schon so lange besteht. Ich bin quasi selbst schon die Gefahr durch und durch.



Schwieriges Unterfangen


Heute ist es so weit. Ich soll darüber nachdenken. Was bedeutet Sicherheit überhaupt? Macht haben, Kontrolle haben? Im Gegensatz dazu wiederum Kontrollverlust, sich machtlos fühlen, sich nicht sicher fühlen? Also nicht in meiner kleinen eigenen Welt, sondern grundsätzlich realistisch gesehen? Meine Hausaufgaben lauten: Zu allen Begriffen oben neue (realistische) Definitionen finden. Oh je!

Meine Kompanie (Infos dazu in diesem VIDEO) gerät in Aufruhr. Alle rasen wie wild durcheinander und sind aus dem Häuschen vor Aufregung. Hilfe, die will jetzt tatsächlich in unsere geliebten Definitionen eingreifen? Weil die Kompanie an ihren Gewohnheiten hängt, lässt sie sich einiges einfallen, um die Hausaufgaben zu torpedieren. Merk ich selbst erst gar nicht, weil sich die Bande clever geschickt anstellt.

Anstatt einfach einen Satz an Definition aufzuschreiben, eiere ich um den heißen Brei herum. Verfasse Romane, wiederhole mich dabei hundertfach. Formuliere auf eine Art, wie wenn man einem Kleinkind eine Kindergeschichte vorliest. Ich bin stolz auf mein Werk. Silke indes kramt schon mal den Rotstift hervor.



Alles auf Anfang



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©Rüdiger Lutz Fotografie



Sie hat es sehr nett formuliert, die Silke. Sinngemäß verstanden habe ich dennoch, dass ich die Hausaufgaben noch mal machen soll. Thema leider so was von astrein verfehlt. Meine Kompanie und ich hören ganz genau hin, was Silke erklärt. Da es jetzt kein Zurück mehr gibt, muss auch die Kompanie einsehen, sich brummend geschlagen zu geben. Mürrisch nimmt sie hin, dass ich wie verabredet einen einzigen Satz für jeden Begriff neu definiere. Wir sind allesamt der Meinung, dass das nicht unsere Begriffe sein können. Sehr fremd, diese neuen Bedeutungen. Klar, sagt Silke, daher darf ich die jetzt ja auch kräftig üben. So lange, bis sie anstelle der bisherigen sich total normal anfühlen. Wie genau, ist mir derzeit allerdings ein großes Rätsel. Ich versuche mich auf die Entdeckerin Uli und an mein Abenteuer zu besinnen. Nur an das Ziel denken, ohne den Weg vorherbestimmen zu wollen. Er wird sich herauskristallisieren, sagt Frank immer, wenn ich wieder mal in meine „Wie soll das gehen“-Analyse verfalle.



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