Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























25. Dezember 2017:
Totalabsturz



Seit Freitag sehe ich am Horizont den Abgrund auf mich zukommen. Habe tapfer versucht, ihm irgendwie auszuweichen. Der Heilige Abend, der gleichzeitig mein Burzeltag ist, vollendet die unausweichliche Sache …



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©Rüdiger Lutz Fotografie



Der Heilige Abend beginnt herzklopfend. Rüdi, meine große Liebe, mein Ein und Alles, weckt mich. Er führt mich ins Wohnzimmer, in dem er die halbe Nacht an einer Überraschung bastelte. Ich muss ein bissel weinen, weil ich so gerührt bin. Es gibt derzeit also nichts, was im Außen auf den baldigen Absturz hindeuten würde. Außer meiner extremen Anspannung und diesem komischen Gefühl.

Gegen Mittag meldet sich mein Kopf. Er möchte einen schönen Tag meinerseits verhindern und fängt zu schmerzen an. Boh, muss das ausgerechnet heute sein? Ich reagiere panisch, weil ich endlich einen symptomfreien Geburtstag erleben möchte, was mir in den letzten Jahrzehnten selten gelang. 

 


Ablenkungsversuch


Im Reinsteigern bin ich Weltmeisterin. Gerade steigere ich mich tierisch in die beginnenden Kopfschmerzen und will sie partout weghaben. Bitte nicht heute! Zumal ich erst gestern und vorgestern von einer dollen Schmerzattacke heimgesucht wurde und erst mal dringend Schmerz-Atempause brauche. Der Verzweiflung nah, mache ich Rüdi einen Vorschlag. Fotografieren hat mich noch immer prima abgelenkt, also fotografieren wir. Lebhaft sind dabei nur die Kerzen - auch wenn man sie lediglich verschwommen erkennen kann. Das Geburtstagskind dagegen scheint innerlich eingefroren. Ablenkungsversuch gescheitert.



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©Rüdiger Lutz Fotografie



Netter Besuch und gefühlte ein Kilo Tigerbalm


Es könnte alles so schön sein, denn später kommt meine zweite große Liebe zu Besuch: meine Tochter Catha. Wir zwei sind ganz dicke miteinander und ich freue mich wie Bolle, dass sie diesen Abend bei Mutti verbringen will. Wären da nicht die Höllenschmerzen, die beginnen das zu tun, was sie meistens tun: mich in die Knie zu zwingen. Gegen acht Uhr bin ich den Tränen nah vor Aua und Frust. Catha packt ihre Geheimwaffe bei Kopfschmerzen aus: Tigerbalm. Ungefähr ein Kilo davon verteilt sie mir auf Stirn und Schläfen. Ich kann jetzt zwar kaum mehr aus den Augen gucken vor Brennen, das Kopfweh lässt sich aber auch von diesem Monster-Ding nicht beeindrucken. So bleibt nur eins: das Geburtstagskind zusammen mit einem Schmerzmittel ins Bett zu verfrachten, von dem ich weiß, dass es sowieso wieder nicht helfen wird. Beste Aussichten für diesen Heiligen Abend 2017.

Weltuntergang


Am 1. Weihnachtstag-Morgen befinde mich mitten in einem Weltuntergang. Der findet gerade statt. Direkt bei mir. Frank kriegt Wind davon, da ich mich doch sehr weltuntergangsmäßig für seine gestrigen Geburtstags-Wünsche bedanke. Er will mit mir Skypen. Jetzt gleich! Herrje, und ich dachte, nur ich bin verrückt. 

Wir skypen ziemlich lange. Ich kippe dabei fast aus den Latschen. Die Schmerzen rauben mir den letzten Nerv. Deswegen liegt auch schon der nächste Tränenausbruch auf der Lauer. Findet Frank super, da ich so endlich mal meine Maske fallen lasse. Die muss weg, sonst laufe ich ewig in der Einbahnstraße mit der Elefantenherde auf meinen Schultern weiter. 



Erkennungsmerkmale


In den Krankenhäusern kriegen die Babys ja alle diese Armbändchen. Damit immer klar ist, wer wer ist. Heute darf ich dank Frank erkennen, dass ich wiederum nicht ganz ich bin. Herrje, wie kompliziert ist das denn?



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©Rüdiger Lutz Fotografie



Tja, da denkt man sein Leben lang, als 100 % Uli durch die Welt spaziert zu sein. Dabei stimmt das gar nicht. Mindestens die Hälfte davon fand mein Unterbewusstsein so doof, dass es einen Teil davon immer ablehnte. Obwohl ich eine echt nette Person bin. Mein Verstand will diese unerklärliche Sache sofort in allen Einzelheiten analysieren, erklärt haben und bewerten. Ich weise ihn darauf hin, dass er das lieber bleiben lassen soll. Ist doch sowieso unwichtig. Es reicht zu wissen, dass diese Tatsache elementar mit den Ängsten verknüpft ist. Wer das behauptet? Mein Herz! Es klopft in diesem Moment sehr laut und spült nach diesem Erkennen wohlige Wärme in mich. Bald fliegen wir wieder zusammen, und das nicht nur im Traum!



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