Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























Der Moment, wenn plötzlich RTL vor deiner Tür steht


Was tun bei Panikattacken

„Hey Uli, hast du spontan Zeit für einen Dreh? Wir brauchen dringend ein Statement zum Thema Angst“, so das telefonische RTL-Anliegen, das soeben an mein Ohr klingt. Keinen halben Tag später stehen sie vor meiner Tür.


Foto: Pixabay - Pexels


Zunächst fängt alles harmlos an. Auch der Krimskrams, den Kameramann Jakob in die Wohnung schleppt, ist relativ überschaubar. Redakteurin Romy dagegen hat nur einen kleinen Notizzettel in der Hand. Und damit beide Hände frei, um mich zur Begrüßung erst mal in den Arm zu nehmen.

Wie Kreative des bildgebenden Verfahrens ticken, kann ich sehr gut beurteilen. Habe ja auch ein solches Exemplar zu Hause. Wenngleich der nur fotografiert statt filmt. Die Gene der beiden scheinen dennoch gleich angelegt: Sie halten fortwährend Ausschau nach dem geeignetsten Motiv, dem tollsten Hintergrund, den besten Lichtverhältnissen und wie man etwas so wunderbar wie möglich ablichten kann. Jakob macht sich entsprechend auf die Pirsch durch unsere Wohnung.

Gleich im Türrahmen zum Wohnzimmer wird er fündig: mein Interviewplatz ist hiermit festgelegt! Also flugs die Beleuchtung installieren, dann werde ich auf einen Hocker platziert. Die Romy wiederum mir gegenüber auf einen zweiten. Total kreativ, wie wir mitten im Türrahmen unser Interview halten. Da wir alle drei bestens gelaunt sind, ist das Interview in Lichtgeschwindigkeit abgeschlossen.

Das Statement soll nun von ein paar weiteren bewegten Bildern ergänzt werden, in denen ich rein gar nix quatschen darf. Eine große Herausforderung für mich. Ich versuche also, so gut es geht, nicht zu reden. Erst soll ich auf unserem Sofa interessiert in meinem Buch blättern. Jakob indes filmt mich aus jeder erdenklichen Perspektive. Danach kommen beide auf die Idee, dass es schön aussehen würde, wenn ich was schreibe. Schließlich mache ich das auch sonst jeden Tag. Ich bringe dabei zwar eher meine Tastatur zum Glühen, doch das ist nicht ganz so das, wie sie es für den Beitrag bräuchten. Also schreibe ich etwas in ein anderes Buch.

Was genau? Wie gut, dass auch ich zu den Kreativen gehöre und mir rasend schnell irgendetwas ausdenken kann. Ich schreibe und schreibe. Jakob filmt mich erneut aus jeder Richtung, die man sich nur denken kann. Irgendwann ist auch die längste Seite vollgeschrieben. Ich teile Jakob entsprechend mit, dass wir langsam zum Ende kommen sollten, da mir die Seite ausgeht. Dabei breche ich in lautes Gelächter aus. Ausgerechnet das sucht sich RTL als eine Art Schlusswort meinerseits aus, um den fertigen Beitrag damit zu beenden. Jakob weiß als ausgefuchster Kameramann eben sehr genau, wann er die Kamera weiter draufhalten muss.

Jetzt noch ein paar Aufnahmen im Schnee, so der weitere Wunsch. Also ziehe ich meine Jacke an, als Jakob unverhofft laut HALT ruft. Das solle ich exakt so noch mal machen, er will mich dabei aufnehmen. Okay. Auch wie ich zur Haustür rauslaufe, ist für den Beitrag interessant. Also öffne ich die Tür, schließe sie wieder und laufe ein paar Meter. Die Nachbarn schauen schon komisch und vermuten wohl ein Sondereinsatz-Kommando. Denn Jakob gibt mit Romy ein arg seltsames Bild ab, wie er da hinter der Gartenmauer des Nachbarn im Schnee kniet und ein schwarzes Etwas auf seinen Schultern drapiert hat.

Wir stapfen weiter in den Tiefschnee hinters Haus. Es ist extrem kalt. Mein Lippenstift gefriert langsam ein und ich habe echt ein bisschen Angst, dass ich mit gefrorenem Lippenstift nicht mehr ganz so fimlreif aussehen werde. Da meine Nase inzwischen puterrot angelaufen ist, passt sie zum gefrorenen Lippenstift perfekt. Wenigstens scheint die Sonne, ein kleiner Lichtblick in der Eiseskälte. Bevor meine Nase nicht mehr filmfähig ist, beenden wir den Dreh. Und dann geht die Aufregung erst richtig los.

Eineinhalb Stunden Material, das später in maximal drei Minuten verpackt werden soll. Um Himmels Willen, wie wollen die RTL-Verantwortlichen das bloß hinkriegen ... Heute Abend werde ich es wissen. Dann nämlich soll mein Beitrag in den Abendnachrichten ausgestrahlt werden. Ich habe quasi ein virtuelles Date mit Nachrichten-Moderator Peter Klöppel, der den Beitrag ankündigen wird. Also nix wie allen nahen und fern bekannten Personen von dieser Sensation berichten und dass sie heute Abend unbedingt Nachrichten gucken sollen.

Zwei Stunden vor Beginn kriege ich die Nachricht, dass mein Beitrag einer wichtigeren Meldung weichen muss und ein andermal an der Reihe sein wird. Kurz nach sieben fragen mich alle, wo denn der Beitrag sei, sie hätten nichts gesehen. Grrrr.

Und so verpufft mein Adrenalin an diesem Abend völlig umsonst. Auch am nächsten und übernächsten. Erst sechs Tage später fließt es in erhöhter Dosierung erneut durch meinen Körper.



HEUTE IST ES SO WEIT. GANZ SICHER! 

Mein Herz klopft bis zum Hals. Dann startet mein virtuelles Date mit Peter Klöppel. Okay, er kündigt nun nicht direkt mich an, sondern eben nur den Themenbeitrag. Ich bestehe trotzdem darauf, ein halbes Date mit Peter Klöppel gehabt zu haben. Keine drei Sekunden später sehe ich mich auf meinem Sofa sitzen. Danach auf dem Hocker. Wobei der natürlich nicht zu sehen ist. Als Insider kann ich mich aber noch detailgenau daran erinnern, wie schön es auf ihm mitten in unserem Türrahmen war.

Unsere Wohnzimmereinrichtung kommt gut rüber im TV. Hat alles seinerzeit mal der Rüdi ausgesucht, worüber ich jetzt echt froh bin. Jetzt wissen nämlich erneut alle Leute, dass ich ein bisschen „verrückt“ bin. Zumindest aber auch, dass wir einen guten Geschmack hinsichtlich unseren Möbeln haben. Zum Abschluss erscheint noch kurz mein Angsthasen-Buch in groß, danach folgt schon das oben beschriebene Gelächter. Fertig. Mein Adrenalin braucht danach eine gute halbe Stunde, bis es wieder normalen Pegel erreicht hat.

Dies alles liegt nun auch schon wieder ein paar Wochen zurück. Vor lauter Schreiben bin ich aber einfach nicht zum Aufschreiben dieser witzigen Story gekommen. Das sei hiermit nachgeholt und für alle Zeiten festgehalten. Schön war’s mit euch – gerne wieder!



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