Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























2. Dezember 2017:
Nervensäge



Sie nervt tausendmal mehr als Juckreiz und ist das penetranteste Wesen auf Erden. Du kannst sicher sein: Sie klebt dir ständig an der Backe - egal, was passiert. Okay, dann hilft wohl nur eines: diese Nervensäge mit den eigenen Mitteln schlagen …



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©Rüdiger Lutz Fotografie



Meine Nervensäge ist besonders eifrig. Dank Silke weiß ich nun glücklicherweise von ihrer Existenz. Damit habe ich endlich eine Erklärung für das, was ich mir bisher nie erklären konnte. Ich gab mir stattdessen stets selbst die Schuld, wenn ich Dinge meiner Angst wegen nicht auf die Reihe kriegte. Und das waren viele. Dabei ist sie allein dafür verantwortlich. Es geht um deinen inneren Kritiker. Meiner heißt Störer - oder eben Nervensäge. Ich musste sie so taufen, weil sie ein wahres Teufelsweib ist. Besonders eifrig darin, kategorisch alles anzuzweifeln. 



Das wird doch eh nix!


Seit ich das One-Way-Ticket in Richtung Heilung gebucht habe, erzählt sie mir das mehr denn je. Ihr schwant, dass sie ihre Chef-Rolle dadurch bald verlieren wird. Nimmt sie natürlich nicht einfach so hin. Ne, sie lässt sich in ihrer fiesen Sabotage die dollsten Sachen einfallen. Außerdem kennt sie wie kein anderer meine Schwachstellen. Juhu, einfach dort ein bisschen pieksen, dann wird die Uli schon wieder umfallen. Wie immer. Wenn es um irgendwelche Symptome geht, gelingt ihr das spielend leicht. Deswegen krallt sie sich die momentan am meisten. Es gibt Tage, da gewinnt sie leider kurzzeitig wieder Oberhand. An anderen wiederum schmeiße ich sie in hohem Bogen aus meinem Dunstkreis. Hält zwar nicht lange an, aber sie kapiert wenigstens, dass die Dinge nun anders laufen.


In der letzten Woche probierte sie vehement die „Wird doch eh nix“-Masche. Sie meint damit unser Projekt. „Du wirst nicht gesund, wie soll das gehen?“ All so was will sie mir einreden. Dass ich nicht auf sie höre, ist die Nervensäge so nicht gewohnt. Also sucht sie sich Verbündete. In meiner Kompanie wird sie fündig. Silke erklärt dir HIER, was es mit diesem Kritiker, deine Nervensäge, auf sich hat und wer wiederum deine Kompanie ist.



Riesenbock statt Umfaller-Nummer


Ich wundere mich arg. In erster Linie über mich selbst. Eine Bekannte, die mich sehr gut kennt, sagte dieser Tage zu mir: Wow, ich bewundere deine Willenskraft und Hartnäckigkeit. Das machte mich stutzig, da ich mir bezüglich Heilung jede andere Eigenschaft mehr zuschreiben würde als Willenskraft. Ich bin lächerlich unwillig. Ein kleiner Windstoß reicht, um mich aus der Bahn zu pusten und aufzugeben. Zumindest meine Gesundheit betreffend. In anderen Angelegenheiten dagegen bin ich die Willenskraft in Person, konnte dies aber nie auf diesen einen Bereich übertragen. Bis jetzt!

Ich gehe in mich und überlege mir, was gerade anders ist. Meine Erklärung: Silke und Frank. Sie schafften, was zuvor hunderte Ärzte, Therapeuten, Wunderheiler kein bisschen schafften. In mir die beständige Willenskraft zu wecken. Also nicht wie diese Motivations-Gurus, die auf der Bühne stehen und einen Massen-Hype veranstalten. Alle sind dabei halb in Trance, euphorisch nahezu weggetreten und erzählen dir mit glasigen Augen, sie könnten jetzt alles erreichen. Im Alltag ist schwupp davon nix mehr zu merken. Sie knicken ein wie ein Grashalm im Sturm. 



Fehlt dir der unbedingte Biss, der Riesenbock auf die Sache, wirst du ernüchternde Niederlagen niemals meistern


Bei Veränderungswunsch kannst du dir bezüglich einer Tatsache sicher sein: Diese Ernüchterung, der Rückschritt, die Niederlage kommt! Sehr schnell und sehr oft. Als Sieger gehen nur die hervor, die die nötige Willenskraft aufbringen. Ich will zu ihnen gehören. Daher gehe ich mit meinem Störer aktiv fast jeden Tag um und schlage ihn mit den eigenen Waffen: ganz großer Cleverness und Hartnäckigkeit. 



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