Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























10. November 2017:
Mutprobe



Zunächst beginnt alles harmlos. Ich sitze auf dem heimischen Sofa und plaudere mit High Performance Trainer Frank Pudel. Ganz genau will ich alles wissen über ihn und seine Arbeit, nachdem ich vor einigen Wochen bereits seine Lebenspartnerin Silke Baasch persönlich kennen lernen und eine Sensation erleben durfte. Heute nun zeigt er mir seine Arbeit - am lebenden Objekt: mir! Und so endet der Abend für mich in einer astreinen Mutprobe.



©Ulrike Parthen




Alle Frauen sind neugierig. Ich besonders



Deswegen sitzt jetzt auch Frank neben mir und zeigt mir das, was ich neugierig wissen will: Wie genau sein Wirken als High Performance Trainer aussieht. Dass dieser ganze Spaß zwei Stunden später in einer Mutprobe für mich enden soll, tja, davon weiß ich in meinem neugierigen Leichtsinn anfangs noch nichts.

Erst guckt er mich genau an. Er macht das zwar unauffällig, ich merks trotzdem. Ah, das ist jetzt wohl der „begabte Blick“. Aus früheren Telefonaten weiß ich, dass er diesen speziellen Blick drauf hat, den nur wenige beherrschen. Seinen Genen und Zeiten als Rettungsassistent sowie Sportmasseur sei Dank. Damit erkennt er anhand der Körperhaltung, Mimik und allen deinen Körperteilen, Muskelspannung usw. sofort, wo es bei dir in diesem Moment gerade klemmt. Also was hinter den aktuellen Schmerzen, Symptomen oder einer Angst/Panik steht. Dafür, dass meine gesundheitlichen Baustellen ziemlich umfangreich sind, finde ich meine Körperhaltung selbst spitze. Sieht er vermutlich anders, denn er scheint nach wenigen Minuten fündig geworden zu sein. Wir legen los mit Schritt zwei des neugierigen Entdeckens.



Eine Runde Klopfen, bitte!


Frank trägt bei jedem Klienten, also auch heute Abend, ein Köfferchen mit sich. Kein richtiges natürlich. Du musst dir das rein imaginär vorstellen. In Millisekunden zückt er daraus das passende Werkzeug, das er jetzt für diesen Moment für am besten wirksam ansieht. Ist also nie gleich, sondern rein individuell und situationsbedingt. An diesem Abend scheint das Werkzeug „Klopfen“ für mich stimmig zu sein. Nur noch 1,5 Stunden bis zur Mutprobe ...

Fachsprachlich nennt sich diese Methode „Die MET-Klopftechnik“ und hat etwas mit unseren Meridianen zu tun, die wir beklopfen. Damit lösen sich Ängste, Sorgen, Scham, Kummer, Ärger und tausend andere Dinge, die dich jetzt gerade in diesen Minuten plagen, auf. Am besten, Frank erklärt dir das per Video selbst, bevor wir uns meiner Mutprobe nähern. Klicke dazu auf das nachfolgende Bild:



Frank2.jpg

©Hendrik Wardenga



„Uli, was macht die Panik, noch da?“ Nach jeder Runde Klopfen fragt er mich das. Dabei ist momentan keinerlei Panikattacke zugegen. Nur die kaputte Angst-Schallplatte läuft ein bissel - wie immer! An diesem Abend bis jetzt jedoch superleise.

„Boh, Frank, ich hab grad doch keine, woher soll ich also wissen, ob die endgültig weg ist?, so meine Antwort. Frank ändert seine Strategie und möchte, dass ich mich gedanklich in so `ne Panik-Situation versetze. Okay, mache ich. Nix passiert, rein gar nix - außer, dass ich mich frage, ob sie jetzt wohl tatsächlich forever verduftet ist oder wie gehabt heimtückisch darauf lauert, im richtigen Moment "hallo, hier bin ich" zu rufen. Ohne zu wissen, was ich da anstelle, liefere ich gleich selbst den Beweis. Es sollte eigentlich ein kleiner Joke sein, um die festgefahrene Situation aufzulockern. "Frank, weißte, wenn mir nun übel wäre, könnte ich dir sofort eindeutig antworten. Übelkeit macht mir immer Panik, beispielsweise bei dem Gedanken, dann ins Kaufland fahren zu müssen. Jetzt ist mir aber doch nicht übel", versuche ich Frank die komplizierte Situation meines Seelenlebens zu erklären.

„Okay Uli, wenn dir nicht übel ist, können wir ja sofort los, ins Kaufland. Zieh dir deine Schuhe an!" Bingo, Volltreffer. Ein kleines Panikattäckchen kündigt sich an. Niemals nie würde ich mit einem fremden Pudel an einem Freitagabend durch das völlig überfüllte Kaufland laufen – weder mit und auch nicht ohne Übelkeit. Was meine gedankliche Vorstellungskraft nicht schaffte, schafft Frank mit nur einem Satz. Grrrrr, ja, sie ist tatsächlich noch da, und das kurzfristig äußerst lebendig spürbar für mich. "Besser geht nicht!", meint Frank, weil wir das nun super beklopfen können. Für meine Mutprobe, die er soeben festlegte: Wir fahren heute definitiv noch ins Kaufland. Komplett Panik-frei!

Wir klopfen also wie die Weltmeister. Die Panik fühlt sich pudelwohl (kleiner Scherz) mit mir und dem Pudel und verduftet trotz Klopfen nicht. Nach weiteren 20 Runden bin ich echt müde. Denn ich muss beim Klopfen immer reden. Einen bestimmten Satz, um genau zu sein. Reden ist neben Schreiben eine meiner Top-Eigenschaften. Ich tue es fast unentwegt. In der Kombination schafft mich das jetzt aber schon arg.



Nicht lockerlassen!


Ich hätte längst aufgegeben und gesagt: So ein Schwachsinn, funktioniert ja doch nicht. Der Pudel sieht das anders. Reiner Erfahrungswert, den er mir in dieser Sache voraus hat. Daher ist er sich bombensicher, dass es auch bei mir klappen wird. Genau so lange klopfen wir. Ich stelle mich auf einen langen Abend ein …

10 Runden später fühle ich mich plötzlich anders. Auf einen Schlag! Beschwingt oder beduselt, vielleicht ist das auch Entspannung. Kann ich nicht genau beurteilen, kenne ich ja kaum mit der dusseligen Schallplatte im Ohr. Ich gehe in mich und stelle fest: keine Panik mehr in Sicht. Ganz sicher! Und sogar die Schallplatte der ewigen Angst ist aus, die ja immer spielt, wenn auch manchmal nur ganz leise. Gibt’s ja gar nicht! Ich ziehe meine Schuhe an und fahre mit Frank ins Kaufland. Als wäre es das normalste der Welt.

Als wir dort ankommen, uns in den Trubel des Freitagabends stürzen und einmal quer durch das Einkaufsparadies schlendern, fühlt es sich nach wie vor erschreckend normal an. Nicht mal nervös bin ich oder gar angespannt. Sensationell! Ich bin noch nie in meinem Leben entspannt durch einen Einkaufsladen gehuscht. Entweder ich habe bissi Angst oder große Angst (= Panik) oder ich bin zumindest angespannt. Einer dieser Zustände begleitet mich grundsätzlich, wenn ich meine Wohnungstür von außen schließe.

Kann man den aktuellen Status bitte einfrieren? Er soll niiiiiiiie wieder aufhören! Frank hat meine Schallplatte ausgeknipst, dafür hat er einen Orden verdient. Ich könnte ihn knutschen. 



Mutprobe bestanden. One-Way-Ticket in Richtung Heilung gebucht.



Experiment10.jpg

©Rüdiger Lutz Fotografie



In meinem komplexen Fall ist die Sache mit einer einzigen "Mutprobe" natürlich nicht erledigt. Macht mir null aus, im Gegenteil. Ich werde noch viel klopfen, neue Erfahrungen und Konditionierungen sammeln müssen. Und auch weiterhin sehr aufmerksam wie regelmäßig mit meiner Kompanie quatschen, wie mir das Silke vor 8 Wochen erklärte. In diesem VIDEO von Silke kannst du noch mal schauen, um was es dabei genau geht.

Komisch. Die ganzen Therapeuten in diesen Psychokliniken haben mir von alledem, was Silke und Frank wissen, nie was erzählt oder gezeigt. Die ließen mich lieber doll laut auf Trommeln hauen oder schwarze Wolken malen und analysierten das Ergebnis. Dafür bekamen sie allesamt, ui, ein Haufen Geld seitens der Krankenkasse rübergereicht. Die ambulanten Kollegen wiederum unterhielten sich mit mir schwerpunktmäßig eher über die Sache mit dem Eis in meiner Kindheit, das ich von meiner Mutti nicht kriegte. Es soll ein Trauma in mir ausgelöst haben, jawohl! Hunderte von Stunden lang stürzten sie sich darauf, dank Sponsoring meiner Krankenkasse. Dagegen sind die Wunderheiler arm dran. Die haben keinen Deal mit der Krankenkasse, dafür mit dem Pendel, das nie irrt und mich gesund machen wird. Manchmal sollte das auch dieser Aufzug tun, der in Richtung Himmel führt, wenn man verstorben ist. Manche Seelen sind total verrückt, weil die einfach mittendrin anhalten anstatt weiterzufahren. Tun sie das, machen sie mir Ärger. Deswegen bin ich krank, bekam ich als Erklärung. Irgendwie haben die für den Aufzug zuständigen Wunderheiler dann vehement versucht, diesen wieder ins Fahren zu bringen. Ist leider fehlgeschlagen, weil ich das Wunderheilerland in der nächsten Etage fluchtartig verließ. 

Dabei geht es viel einfacher!

Man braucht nur jemand, der einen durch die richtige Tür schiebt. Ich nenne sie mal Tür der Erleuchtung. So, wie Silke bei ihrem Besuch bei mir. Dafür hat sie nur wenige Minuten gebraucht. Ganz ohne Krankenkassen-Deal, Trommeln und schwarz gemalten Wolken. Gott sei dank auch ohne Aufzug, noch so ne Fahrt hätte ich nicht verkraftet. Danach stehst du also mitten in der Erleuchtung und bist sehr happy, endlich diese verdammte Tür gefunden zu haben. Danach noch kurz den Pudel, der dich fühlen lässt, wie schön es hier im Hellen sein kann. Ich lauf dann mal weiter auf meinem neuen Weg, der heißt: Der Angst samt Panik eins auf die Mütze zu hauen, damit die irgendwann keine Lust mehr haben, bei mir zu wohnen. Wie genau, kannst du in den nächsten Beiträgen lesen. 



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