Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























Wie ich als Schlaf-Forscherin Rüdis Tiefschlaf testete 


... Die Phänomene des Rüdi sind damit aber noch längst nicht abschließend aufgezählt. Ein weiteres ist sein Schlafverhalten. Woher dieses stammt (evtl. doch von den Fischen?), kann ich mangels Fachwissen schlecht beurteilen. Der menschlichen Spezie ordne ich das jedoch keinesfalls zu. Ich kenne jedenfalls niemand, der mit 3–4 Stunden Schlaf auskommt.



Rüdi schon. JEDE NACHT! Voller Kraft und Tatendrang steht er direkt nach seinem 3-Stunden-Schlaf fit wie ein Turnschuh auf seinen Beinen und könnte Bäume ausreißen. Was ich nicht mal nach acht Stunden Murmeltierschlaf hinkriege ...

... Außerdem hat der Rüdi einen implantierten Ausschalter. Eventuell handelt es sich dabei aber auch um gar kein Implantat, sondern ein zusätzliches spezielles Rüdi-Gen. Jedenfalls ist in meiner Gen-Landschaft und der der meisten anderen Menschen kein solches Ausschalter-Gen (oder Implantat) zu finden. Das Ding ist so super, sodass ich den Rüdi nahezu ständig darum beneide – hilfreich obendrein. Schongleich, wenn nach 3,5 Stunden Schlaf der Wecker klingelt.

Das Phänomen funktioniert so: Man nehme den Rüdi. Der äußert, er sei jetzt echt müde. Er macht die Augen zu und schläft eine Sekunde später tief und fest. Ich schwöre, er kann auf Kommando und nach nur einer einzigen Sekunde in den Tiefschlaf fallen. Dieses Gen will ich auch haben. SOFORT! Wir Frauen sind da wieder mal komplett anders. Legen wir uns schlafen, müssen wir noch entsetzlich viel denken und fühlen. Nach einer Stunde denke ich dann zusätzlich, dass es verflucht doof ist, schon so lange zu denken, da die Nacht dadurch immer kürzer wird. Ich fühle extrem vehement, dass ich unbedingt schlafen will. Je mehr ich das wiederum fühle, desto weniger wird mir Schlaf zuteil. Ich werde also irgendwann mächtig wütend. Eine Minute später unsagbar verzweifelt: ICH WILL SCHLAFEN!

Solche Probleme kennt Rüdi nicht: Augen zu und tschüss. Es ist wirklich wahr. Wirklich! Anfangs konnte ich das kaum glauben. Es ist aber auch ein bisschen gruselig mit dem Rüdi und seinem Phänomen fünf. Denn nach besagter Sekunde redet er manchmal noch mit mir. Und hat dabei sogar die Augen offen. Trotzdem schläft er. Ich kann also theoretisch mit ihm machen, was immer ich will. Er würde nichts mitkriegen. Denn außer, dass er in nur einer Sekunde schläft, schläft er wahrhaft bombenfest. Zur Not könnte ich ihn sogar auf die Straße tragen, ohne dass er das je bemerken würde.

Dies scheint mir als Experiment doch ein bisschen gewagt, also führe ich ersatzweise eben ein alternatives durch, um dieses Phänomen von allen Seiten wissenschaftlich zu beleuchten. Vermutlich war ich in meinem früheren Leben als Schlaf-Forscherin tätig, denn ich erforsche den Rüdi mit seinem Sekundenschlaf außerordentlich gern.

Und zwar genau jetzt um 22.12 Uhr an diesem Donnerstagabend!

Die Versuchsanordnung sieht vor: Rüdi liegt mit seinem täglichen Uli-Fernsehprogramm auf dem Sofa und ist nach der berühmten Sekunde unverhofft eingeschlafen. Muss ich mir bezüglich meiner Anziehungskraft schon Sorgen machen? 22.12 Uhr und Rüdi schläft tatsächlich ein? Um 22.12 Uhr? Nach seinen Berichten von vorhin liegt ein anstrengender Straßenbau-Tag hinter ihm. Anstrengender als sonst, da er heute arg viel Manneskraft zum Bauen einsetzen musste, da die Maschinen bei den vielen kleinen Ecken und Kanten der heutigen Straße nicht flächendeckend eingesetzt werden konnten. Der Gedanke beruhigt mich, da ich daraus schlussfolgere, dass die Straßen Schuld sind an seinem ungewohnt frühen Schlaf und nicht meine abnehmende Anziehungskraft.

Ich überdenke nach dieser Feststellung, was ich nun alles mit ihm anstellen könnte, um seinen Tiefschlaf ausreichend zu testen. Da ich den Rüdi sehr lieb habe, entscheide ich mich, die Versuchsreihe mit eher liebevollen Gesten auszuführen. Ich knutsche ihn erst im Gesicht und dann die Glatze ringsherum komplett nieder. Rüdi grinst, schläft aber weiter. Dann taste ich ihm von Kopf bis Fuß die gesamten 170 Zentimeter ab. Schließlich muss ich prüfen, ob auch wahrhaft alles an ihm schläft. Es tun sich hierbei keine besonderen Vorkommnisse auf, außer, dass er erneut lächelt. Aha, sehr interessant!

Ich notiere in meinen Versuchsaufzeichnungen, dass Rüdis Unterbewusstsein wacher ist als Rüdi und die Liebkosungen erfreut wahrnimmt, während er selbst weiterhin bombenfest schläft. O.k., eine Steigerung der Forschungsreihe kann somit stattfinden: Ich lege mich komplett auf ihn. Meine 50 Kilogramm schaffen es allerdings auch nicht, die Forschungs-Ergebnisse dahingehend zu verändern, dass Rüdi aufwacht. Mir bleibt also gar nichts anderes übrig, als zur mächtigsten Waffe einer Frau zu greifen: Ich rede! Ich quassle und quassle. Ganz dicht an seinem Ohr sogar. Erzähle ihm die dollsten Geschichten, die jeden Toten mit Schreck aus dem Reich der Toten hätten reißen müssen. Aber nicht meinen Rüdi aus seinem Schlaf. Hm, vielleicht ein wenig lauter? Also lege ich bei der Lautstärke einen Zahn zu. Ergebnis unverändert: Rüdi schläft.

Da sich rein gar nichts Bewegendes ereignen will in meiner inzwischen hochkreativen Versuchsreihe, kündige ich Rüdi den nächsten Versuch sogar verbal an: »Lieber Rüdi, schau mal, das ist dein linker Arm. Den nehme ich jetzt und halte ihn so hoch, wie ich kann. Achtung, und jetzt lasse ich los!« Mit atemberaubender Geschwindigkeit plumpst Rüdis Arm zurück auf seinen Bauch. Autsch, das tut mir sogar beim Zuschauen weh. Vorläufiges Forschungs-Endergebnis: Rüdi schläft! Versuchsreihe beendet und Phänomen fünf hiermit als astreines Phänomen in die Weltgeschichte eingegangen. Als Rüdi am nächsten Morgen aufwacht, muss ich ein bisschen grinsen. Der Rüdi sieht aus wie immer und scheint keinerlei Schmerzen in der Bauchregion zu verspüren. Ich taste mich vorsichtig an die Sachlage heran und frage, ob er irgendwas geträumt habe: »Nö«, antwortet er und will wissen, wie ich darauf komme. »Ach, nur so« ...


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Taschenbuch: 128 Seiten
Autorin: Ulrike Parthen
Verlag: Books on Demand; Auflage: 2 (16.1.2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3738627398
Preis Taschenbuch: 9,90 Euro
Preis Kindle-Edition: 4,99 Euro



Auszug aus den Rezensionen:



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