Angsthase Mathilda und die kuriose Begegnung mit einem Igel


„Heinz, du musst sofort nach Hause kommen. Hier gibt es drei Schwerverletzte!“ Dieser Anruf ereilt meinen Freund an einem Spätsommer-Abend gegen 21.30 Uhr. Es ist bereits stockdunkel, trotz des nahenden Herbstes jedoch sehr mild. Ich bin total verzweifelt, denn ich wurde Opfer eines Unfalls. 



Wo ist in solchen Momenten mein Liebster? Nicht zu Hause, das ist ja mal wieder klar. Anstatt einen schönen Abend mit seiner Anvertrauten zu verbringen, macht er das, was er zu meinem Leidwesen rund um die Uhr tut: arbeiten – selbst zu dieser späten Stunde.

Dank falscher Berufswahl meines Freundes verbringe ich 90 Prozent meiner Abende ohne ihn. Dafür mit den hauseigenen Vierbeinern, die mich zeitweise an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen. Schlimmer wie kleine Kinder! Der zweite Erziehungsberechtigte dieser felligen Kinder ist aus oben genannten Gründen selten zugegen, sodass er die meisten Abenteuer nie hautnah miterleben kann. Schade eigentlich, er verpasst enorm viel.

An diesem Abend bin ich eher weit weg von einem Nervenzusammenbruch, aber ganz nah dran an einer Attacke. Einer Panikattacke. Und zudem haarscharf vorbeigeschrammt an meinem vorzeitigen Ableben. Weitere zwei Lebewesen schweben ebenso in Lebensgefahr. Das sollte Grund genug sein, Heinz davon zu überzeugen, seine Arbeit just in dieser Sekunde zu beenden, das Martinshorn aufs Dach zu setzen und mit Vollgas ins häusliche Nest zu eilen. Mangels Martinshorn will er erst einmal wissen, was los ist. Arg besorgt hört er sich noch nicht an. Er kennt meinen Hang zu Übertreibungen, wenn es um mein körperliches Wohl geht. Ich finde nicht, dass ich da jemals übertreibe, das behauptet immer nur er!

„Meine Hand, meine arme Hand, ich glaube, sie muss amputiert werden – und Eddy Erbse ist schuld!“ Ich weiß, ein seltsamer Name für einen Hund. Aber Heinz gefiel er so und Eddy Erbse hört inzwischen aufs Wort auf seinen selten doofen Namen. Meine Aussage legt, wie ich finde, eine ungeheure Dringlichkeit an den Tag. Er will erst noch Einzelheiten erfahren. „Ich hatte einen Zusammenstoß mit einem Igel, jetzt fault mir die halbe Hand ab, ehrlich Heinz!“ Heinz schweigt. Dies kommt mir unendlich lange vor und ich schaue währenddessen immer wieder auf meine Hand, ob der Fäulnisprozess schon eingesetzt hat.

Ohne Panik im Nacken und mit wesentlich mehr logischen Ansätzen im Gehirn wäre mir bestimmt aufgefallen, dass diese Aussage für Nichtbeteiligte schwer zu verstehen ist. Daher hat auch Heinz große Probleme, dem Gesagten zu folgen. „Zusammenstoß mit einem Igel. Wie geht so was? Ist der Igel geflogen oder sie im Garten auf allen Vieren gekrochen und hat die rote Ampel übersehen?“ So ähnlich muss es in seinem Kopf vorgegangen sein während seiner Gedanken-Ordnung. Ich merke, dass es dringend näheren Erklärungen bedarf, wenn ich hier nun nicht sterben, sondern ihn von seinem umgehenden Rettungseinsatz zu Hause überzeugen will. Daher atme ich einmal tief durch und erzähle ihm die Geschichte so, dass er die richtige Entscheidung treffen kann. Die Entscheidung zur Rettung seiner Freundin.

„Also Heinz, es war so. Eddy Erbse musste noch mal Pipi. Ich habe ihn gefragt, ob er kurz in den Garten möchte, was er eindeutig bejahte. Lotti Karotti musste dann plötzlich auch Pipi, jedenfalls standen beide Hunde einhellig in Reih und Glied Schlange vor der Terrassentür.“ „Ja weiter, komm doch mal zum Kern der Sache“, entgegnet Heinz. Er wird ungeduldig. Meine Güte, eine so schwer wiegende Angelegenheit kann man nicht in einem Satz zusammenfassen! „Plötzlich ertönte lautes Gebell. Beide Hunde rasten wie die Irren von link nach rechts, von vorne nach hinten. Ich sah rein gar nichts! Also ich in Socken raus. Stand ohne Schuhe auf den Terrassenplatten und versuchte auszumachen, wer nun wohin rennt und warum. Da die Querbeet- Hunderennerei mindestens zehn Sekunden anhielt, schloss ich die ungeliebten Nachbars-Katzen als Grund aus.“

„Mathilda! Was ist denn nun?“ Heinz ist kurz davor, unser wichtiges Telefonat zu beenden. „Ja, Heinz, jetzt warte doch mal. Also, jedenfalls merkte ich kurz danach, was die Zwei wirklich gejagt haben. Ich fühlte plötzlich einen großen Schmerz in der Hand. Eddy Erbse kam aus dem Gebüsch gespurtet und stieß mit mir zusammen. Besser gesagt, sein Maul mit meiner Hand. Und das fühlte sich extrem schlimm an. So stachelig schlimm. Danach plumpste ein fußballgroßes Etwas aus seinem Maul auf den Boden.“

Wer damit die weiteren zwei Opfer dieses Massakers sind, muss ich ihm jetzt hoffentlich nicht näher erklären. Heinz schweigt. Kein gutes Zeichen. In Sekundenschnelle ziehen die weiteren Erlebnisse erneut an meinem geistigen Auge vorüber ...


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Taschenbuch: 156 Seiten
Autorin: Ulrike Parthen
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (27. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3741292620
Preis Taschenbuch: 9,90 Euro



Auszug aus den Rezensionen:



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