Die Sonne geht auf und wieder unter.

 

Dazwischen schreibe ich. Also immer.
















Wie Pippo als spanischer Zauberer Fische zum Fliegen bringt!




Falls es sich noch nicht bis zu euch herumgesprochen hat: Ich kann zaubern. Jawoll. Vergesst daher Copperfield, Hans Klok und wie die auch alle heißen. Der aufstrebende Stern am Zaubererhimmel bin ich. Dafür musste ich nicht mal eine Zauberlehre durchlaufen, bei mir geht das nahezu von allein. Las Vegas, ich komme!

Aber: Ob es dort wohl auch Fische gibt? Die brauche ich nämlich für meine Vorführung ganz dringend. So was haben die berühmten Zauber-Fuzzis noch nicht hingekriegt. Copperfield lässt die Freiheitsstatue verschwinden oder geht durch die chinesische Mauer. Pah, das ist ja lächerlich. ICH, der Zauberer Pippo, der schwäbische Spanier, ich lasse Fische fliegen! Ich werde Copperfield den Trick natürlich niemals verraten. Nur euch, euch sage ich, wie ich das mache:

Als Erstes ziehe ich mir mein Zauberkostüm über. Danach borge ich mir die Fische vom Nachbarn aus, die momentan noch seelenruhig ihre Bahnen durch den Gartenteich ziehen. Ich konnte meine Familie leider noch nicht davon überzeugen, dass wir uns eigene Fische samt Fischteich zulegen. Aber unser Nachbar ist total nett. Er hat überhaupt nichts dagegen, dass seine Fische Teil meiner Zaubershow sind. Nun geht’s aber weiter im Programm:

Ich rase ein paar Mal ziemlich schnell durch den Garten – erst durch unseren, dann durch Nachbars. Es ist schön, so nette Menschen nebenan wohnen zu haben, die Wert darauf legen, dass unsere guten nachbarschaftlichen Verhältnisse nicht durch störende Zäune beeinflusst werden. Es ist nämlich wichtig, dass ich verdammt schnell durch Nachbars Garten flitzen kann, um genug Anlauf zu haben. Achtung, jetzt kommt der Showdown:

Mit einem Satz geht’s hinein in den Teich. Und plötzlich fangen die Fische an zu fliegen. Sie »fliegen« vom Wasser hinaus und ich habe meine Zuschauer draußen (meine Familie und Nachbars Familie) erstaunt sagen hören, dass sie noch nie in ihrem Leben Fische so hoch aus dem Wasser haben »fliegen« sehen. Mit stolz geschwellter Brust steige ich aus dem Teich und warte auf den gebührenden Applaus, den ich mir nun aber auch mehr als verdient habe.

Doch meine Talente sind noch wesentlich vielseitiger. Den Zauberer Pippo habt ihr jetzt ja kennen gelernt. Ich bin darüber hinaus jedoch mindestens genauso erfahren bei Installationsarbeiten aller Art. Wie heißt die genaue Berufsbezeichnung gleich? Gas-Wasser-Installateur? Gut, falls das mit Las Vegas nichts werden sollte, schwenke ich eben hierauf um. Gut zu wissen, wie viele Möglichkeiten und Türen mir für meine Zukunft offen stehen. Der Gedanke, für meinen Lebensunterhalt selbst sorgen zu können, beruhigt mich immens.

Damit Frauchen mein Können in diesem völlig anderen Bereich (vom Künstler zum Handwerker) auch praktisch bestaunen kann, überlege ich seit Tagen, wie ich ihr das demonstrieren könnte. Soll ich das Bad neu fliesen oder die Rohre im Heizungskeller austauschen? Hm, schwere Entscheidung. Ich gehe am besten mal per Streifzug durch die gaaaaaaanze Wohnung, in den Keller, in den Heizraum und schaue nach, wo Wartungsarbeiten am dringendsten nötig wären. Das wird Frauchen gefallen, wenn ich derart mitdenke und so für unser aller Wohl sorge. Als ich bei meiner Wohnungsinspektion bei der Toilette ankomme, fällt mir auf, dass diese dringend gereinigt werden müsste. Um Himmels willen, das soll nicht heißen, dass Frauchen nicht ordentlich putzt. Ich meine eher eine professionelle Reinigung vom Profi an den Stellen, wo Frauchen halt nicht hinkommt. Ach, sie wird sich soooooooo freuen. Und ich kann ihr zudem beweisen, dass ich selbst vor solchen vermeintlich »ekligen« Arbeiten nicht zurückschrecke.

Meine Ohren hören etwas. Draußen erhallen Schritte, das wird sie sein. Vor lauter Vorfreude über die bevorstehende Überraschung für Frauchen bin ich ganz überschwänglich. Ich kann’s kaum erwarten. Fraucheeeeeeeeeeeeeen, schnell, ich muss dir was zeigen. Sie versteht irgendwie überhaupt nicht, was es so Wichtiges gibt. Fraaaaauccccccchhhhhhhhen, jetzt komm endlich! Sie geht ins Bad Hände waschen, direkt daneben befindet sich mein Anschauungsobjekt: die Toilette. Jetzt aber, jetzt ist die Stunde gekommen. Hinein ins Klo und einmal bis unter den Rand und in die tiefsten Ritzen eine professionelle »pipponische« Reinigung gemacht. Frauchen steht mit offenen Augen da und weiß erst gar nicht, ob sie erschrocken sein oder lachen soll. »Pippo, was machst du da im Klo? Schnell raus mit dir.« Nun kann sie das Lachen nicht mehr halten. Wie, sie lacht mich aus? Obwohl ich ihr als Gas-Wasser-Installateur unter die Arme gegriffen habe? Sie nennt mich nun auch noch »begossener Pudel«. Das geht eindeutig zu weit. Undank ist der Welten Lohn. Wer diesen Satz erfunden hat, war schlau. Ich kann das nur bestätigen. Meine Ehre ist gekränkt, vor allem, als ich höre, wie sie etwas später ihrer Freundin am Telefon erzählt, dass ich vor lauter Begrüßungsfreude versehentlich ins Klo gefallen sei. So ein Schwachsinn, bilde dir nur nicht zu viel ein Frauchen (sie meint doch echt, ich hätte sie vermisst!)

Ich, Pippo, der stolze, freche, selbstbewusste Spanier soll dich so vermisst haben, dass ich bei deiner Rückkehr außer mir vor Erleichterung und Freude versehentlich ins Klo gefallen und dann sogar ein »begossener Pudel« gewesen bin? NIEMALS!!! Ich bin Gas-Wasser-Installateur (und Zauberer natürlich).

Es muss dringend etwas geschehen, um meine spanische und überdies männliche Ehre wiederherzustellen. Frauchen, geh sofort mit mir Gassi, dann wirst du sehen, dass ich weit weg bin von einem begossenen Pudelchen, sondern ein wahrhafter MANN. Ein gestandener Mann mit allen Attributen, die einen ganzen Kerl auszeichnen. Und was machen Männer, um das zu demonstrieren? An erster Stelle pinkeln sie im Stehen. So auch ich. Genau das beweise ich Frauchen beim nun folgenden Gassigang. Mein großer Hundekumpel, mit dem wir uns dazu stets verabreden, kommt auch mit. Wir sind beide echte MÄNNER. Ich weiß nicht, was er heute zu Hause erlebt hat, ob er ebenso seinen Stolz wiederherstellen muss wie ich. Daher verbünden wir uns (Männer müssen unbedingt zusammenhalten!) und zeigen es unseren Frauen:

Schaut her, das sind GANZE Männer – Stehpinkler sind wir. Und weil wir eine so verschworene Zwei-Männer-Gemeinschaft und dicke Kumpels sind, demonstrieren wir das selbstverständlich im Duett. Großer Kumpel links von mir, ich rechts ganz dicht neben ihm. Und nun hoch das Bein in derselben Sekunde und PINKELN. Mein Platz rechts neben ihm ist strategisch leider etwas ungünstig gewählt. Denn wenn Kumpel rechts Bein hebt, rechts davon aber ich stehe und Bein hebe, dann hat nur einer freie Bahn für sein Pipi – das bin ich. Sein Pipi landet aus geografischen Gründen an mir. Das kann eine echte Männerfreundschaft allerdings nicht erschüttern. Doch das Wichtigste überhaupt: Frauchen hat es gesehen. Sie hat es ganz genau gesehen. Und weil ihr die Wiederherstellung meines Stolzes scheinbar genauso wichtig ist wie mir, hat sie meine »Echte-Männer-Demonstration« sogar fotografisch festgehalten. Danke Frauchen für dein Verständnis für einen spanischen kleinen Macho.


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Taschenbuch: 96 Seiten - mit Fotos
Autorin: Ulrike Parthen
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (Februar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3848263059
Preis Taschenbuch: 9,90 Euro

Der Erlös wird komplett gespendet.



Auszug aus den Rezensionen:



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