Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























Rüdis glorreiche Idee bezüglich Brautstrauß:
"Komm, wir pflücken dir schnell einen!"


Es hat durchaus Vorteile, seinen Hochzeitstermin erst nachmittags um 16 Uhr stattfinden zu lassen. Zum einen erspart man sich dadurch Kaffee und Kuchen für die Gäste. Zum anderen hat die Aufregung viel mehr Zeit, sich in alle Richtungen auszubreiten. Meine Aufregung hat um 11 Uhr ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, als Rüdi mit einer sehr kreativen Idee daherkommt.



Er findet, ich sollte entgegen unserer einstigen Pläne nun doch einen Brautstrauß in den Händen halten. „Komm, wir pflücken dir schnell einen“, so sein Vorschlag.

Will er mich jetzt nur von meiner Aufregung ablenken oder ist das wirklich sein Ernst? Da ich meinem Bräutigam so kurz vor der Trauung eine Freude machen will, marschieren wir los zu den nahegelegenen Feldern. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einigen Schrebergärten vorbei. Viele Blümchen blühen darin in voller Pracht. Wunderschöne Blümchen. Diese aus einem Schrebergarten zu klauen, ist jedoch nicht das, was man an seinem Hochzeitstag in Betracht ziehen sollte. Die Gefahr, den Termin beim Polizeipräsidenten zu verbringen anstatt bei unserem Standesbeamten, ist einfach zu groß.

Wir schlendern tuschelnd an den Schrebergärten vorbei. Unser Flüstern und Gestikulieren enttarnt uns nahezu schon von allein als Blumendiebe. Ich bin daher froh, als wir an den Feldern ankommen und kein weiteres Aufsehen mehr erregen. Wir haben eine idyllische Natur hier. An unserem derzeitigen Naturstandpunkt erblicke ich jedoch lediglich Gras und Schilf. Ein paar Büsche und Bäume zieren ebenso das Grün. Alles kaum geeignet für einen Brautstrauß. Rüdi will dennoch an seiner Idee festhalten und sich nicht damit zufriedengeben, dass hier keine einzige Wiesenblume zu entdecken ist. Ich bin erleichtert, dass der Wiesenblumen-Brautstrauß somit ins Wasser fällt.

Rüdi weiß es besser. Er ist sich sicher, hier einen wunderbaren Brautstrauß schnüren zu können. Er verschwindet in den Tiefen der Natur. Anfangs versuche ich verzweifelt, ihm zu folgen. Viele Krabbeltiere und Stechmücken tun das ihre, dies zu verhindern. Ich gehe zurück auf den geteerten Feldweg und warte. Zwanzig Minuten später warte ich immer noch. Ganz weit da vorne entdecke ich einen Mann, den ich anhand seiner Glatze als meinen Bräutigam identifiziere. In der Hand hält er grünes Buschwerk. Oh je. Mein Brautstrauß ist in der Mache.

Es ist sehr warm heute. Ich ziehe daher vor, meinen zwangsweisen Sonnenplatz zu verlassen und Rüdi wiederum seinem Schicksal zu überlassen. Schnell heim in die gute Stube ins Kühle. Außerdem wird es langsam Zeit für die Schönheitspflege. Trotz perfektem Haarschnitt gibt es noch einiges zu tun, bis aus einer Braut eine schöne Braut werden kann. Ich rechne dafür eine Stunde ein. Der Zeitpunkt ist also definitiv gekommen, dass sich die Wege von Braut und Bräutigam kurzfristig trennen. Der meine führt mich ins heimische Bad. Rüdi stapft weiterhin enthusiastisch durch die Wiesen. Ich würde ihn über mein Vorhaben ja gerne unterrichten. Allerdings ist er zu weit weg und außerdem viel zu beschäftigt mit seinem Grünzeug. Er hat mich einfach vergessen. So sieht die traurige Wahrheit aus. Und das, wo wir noch nicht mal verheiratet sind.

Es klingelt. Das wird mein Zukünftiger sein. Er hat also bemerkt, dass irgendwas fehlt. In erster Linie seine Schmaggo. In zweiter Linie der Schlüssel, den grundsätzlich ich bei mir trage. Warum, wird aktuell deutlicher denn je. Ich trockne mir gerade die Haare ab, als er mir freudig ein stinkendes Etwas unter die Nase hält. Das Stink-Gedöns ist mein Brautstrauß. Er findet ihn toll. Ich finde, sein Strauß ist astreiner Scheidungsgrund. Doch dazu müssten wir erst mal ehelichen.

„Mit diesem Ungetüm heirate ich dich nicht!“, bestimme ich, bevor er auf dumme Gedanken kommt. Er ist beleidigt. So richtig beleidigt. Vier Stunden vor der Trauung. Um die Realität wieder in sein Leben zu rufen, spreche ich ein Machtwort. Es wirkt. Rüdi erkennt nun auch, dass dieses Geäst hier wohl nicht der geeignete Brautstrauß sein wird. Er handelt einen Kompromiss aus. Ich darf das Ungetüm auf den Balkon stellen. Dort richtet es geruchsmäßig den geringsten Schaden an.


Wie die Geschichte endet und weitere lustige Begebenheiten gibt es im Buch. Klicke auf das Bild, um mehr zu erfahren:





Taschenbuch: 124 Seiten
Autorin: Ulrike Parthen
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3741289170 
Preis Taschenbuch: 9,90 Euro



Auszug aus den Rezensionen:



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