Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























Ich total aus dem Häuschen.
Weil ganz viele Wumm’ser um mich rum. Wumm’sen ist toll! 


Was tun bei Panikattacken

Klopft dein Herz normal? Üblicher Rhythmus? Dann bist du kein Wumm’ser, denn bei denen macht es innen drin dauernd „wumm“. Wegen dieser Leidenschaft für eine bestimmte Sache. Manche halten das für total verrückt. So ein bisschen ist es das auch. Aber auch krass schön. Bei Enzo (links neben mir) ist dafür vermutlich ein Gen verantwortlich. Das pflanzt sich vollautomatisch in die nächste Generation fort.


Alle Fotos dieses Beitrags: Rüdiger Lutz Fotografie


"Papa, auch Musik machen will", sagte der kleine Sohn zum Vater. Wie sollte es auch anders ein, wenn er den nonstop nur Musik machen hört. Eine Quetsche später leuchteten ein paar Kinderaugen ziemlich glücklich. Und zwar die von Tobias. 

"Papa, Schlagzeug haben will", bettelte es kurze Zeit später. Ne, nicht Tobias, sondern der kleinere Bruder Timo - stolze 4 Jahre alt. The same game again. Nur eben, dass Timo Quetschen blöd fand und lieber gleich ein richtiges, also so ein richtiges Instrument spielen wollte. Normale Eltern würden beim Thema Schlagzeug vor Schreck in Ohnmacht fallen. Da Enzo aufgrund seiner Musikleidenschaft ja nicht ganz normal ist, standen Vater und Sohn kurze Zeit später im Musik-Geschäft. "Timo, wo bist du?", fragten sich alle, als der Knirps hinterm Schlagzeug Platz genommen hatte. Bissel klein, der Wurm und das Schlagzeug sehr groß. Was beide nicht hinderte, das Ding zu kaufen. Damit war die Musikband TETs gegründet - Tobias, Enzo, Timo. Süß!  

Mich würde nicht wundern, wenn Tobias und Timo bei Geburt schon ihr erstes Liedchen trällerten, während Papa auf dem Keybord einen geburtlichen Willkommensgruß zum Besten gab. Geht nur bei Menschen, die auf irgendwas total verrückt sind. Kommt mir reichlich bekannt vor. Denn in dieser Sache gibt es facettenreiche Ausbildungen. Drei davon finden sich an diesem Abend magnetisch zusammen: schreibend Verrückte (ich), fotografisch Verrückte (Stichwort Hausfotograf), musikalisch Verrückte (Enzo und die TETs). Die lernst du heute kennen. Denn wie ich sie wiederum kennen gelernt habe, ist mal wieder total verrückt. 

Vorher aber guck dir diesen jungen Mann an. Gut zu erkennen, obwohl er hinterm Schlagzeug sitzt. Lässt den Schluss zu, dass aus dem Knirps inzwischen ein gestandener Mann Anfang dreißig geworden ist. 

Deutlicher denn je wird klar, warum ich sehr happy bin, einen personal Hausfotografen an meiner Seite zu haben. Aus unvorhersehbaren Ereignissen wie diesem wird dank ihm eine Beweis führende Dokumention.



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Magnete ziehen sich an - wir auch!


Unser Heimatdorf Gailenkirchen feiert 750-Jähriges. Als pflichtbewusste Neubürger gehen wir unserer Pflicht natürlich nach und zur Feier. Die soll heute sogar eine richtige Party werden. Mit Live-Musik und allem Drum und Dran. "Rüdi komm, wir müssen los", drängel ich um kurz vor halb acht. Fünf Minuten später stehen wir vor der Turnhalle. Noch nicht viel los. Als recht unerfahrene Konzertgängerin kann ich das ja nicht wissen. Wenn auf dem Zettel steht "ab 19 Uhr", heißt das: Ab da sind die Türen geöffnet. Los gehts aber frühestens um neun. 

Lässt uns wiederum mehr Spielraum, die Mitbürger unseres Dorfes kennen zu lernen. Kurz nach acht sehnen sich meine ebenso Konzert-unerfahrenen Beine nach einer Sitzgelegenheit. Diese sind bei einem Live-Konzert ebenso wenig vorhanden wie Wasserfälle in der Wüste. Ich finde immer Lösungen. Auch in kniffligen Situationen. Also steuere ich zielstrebig auf die jungen Herren in der Mitte des Raumes zu. Die sorgen dafür, dass es am heutigen Abend so richtig laut wird. Die technische Anlage auf dem Tisch ist riesig. Drumherum im Viereck ein paar Tische. Einer der jungen Herren sitzt auf einem. Ich belagere den zweiten. "Hi, toll, dass ihr was zum Sitzen habt. Ich stör euch doch nicht, oder?" Diese meine Entscheidung legt den Startschuss für eine Zusammenführung der besonderen Art. Wieder mal alles intuitiv richtig gemacht, Uli!

Bevor ich die Geschichte weitererzähle, muss ich erst noch ein paar Bilder einfügen. Rüdis Beweisaufnahme soll ja entsprechend Würdigung finden. Voila, die Schwäbisch Haller Coverband TETs. Ohne Enzo. Der hatte andere Aufgaben an diesem Abend. Mehr dazu gleich.



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Es kommt, was kommen muss


Ein Herr mit verdächtigem Taschenmaterial rückt an. Diese Taschen erkenne ich auf den ersten Blick. Sie enthalten Fotoapparate. Ah, womöglich ein Kollege von Rüdi? Nein, es ist Enzo. Der hat sich vor einem Jahr mit Anfang sechzig entschlossen, die Bühne den jungen Leuten zu überlassen: unter anderem seinen Söhnen Timo und Tobias, die in den letzten knapp 30 Jahren sehr viel mit Papa geübt haben. Daher können sie es jetzt auch richtig gut! Außerdem: Johanna, Sebastian und Jan. Enzos Aufgabenbereich heute ähnelt dem vom Rüdi: Er muss eine bildliche Dokumentation erstellen. Voller Elan baut er sein Zeug auf. Klar, dass wir dabei sofort ins Gespräch kommen. Keine halbe Stunde später kenne ich die TETs-Geschichte in allen Einzelheiten, während Rüdi und er die gesamte Bandbreite fotografischer Fachsimpeleien durchkauen. Enzo ist ein bisschen neidisch, weil Rüdis "Instrumente" mehr Schmackes haben als seine. Rüdi wiederum findet ein Objektiv des Enzo besonders wow und kann gar nicht mehr aufhören, das Ding anzuschmachten.

Während dessen geben die TETs auf der Bühne alles. Und das richtig klasse! Ich, die unerfahrene Konzertgängerin kriege furchtbar wackelige Beine. Nicht wegen mangelnder Sitzgelegenheiten, so eine habe ich mir hier ja rechtzeitig gesichert. Ne, es juckt mich auf einmal in den Gliedmaßen. Tanzjucken! Ich schnappe mir meinen neuen Freund. "Enzo, lass uns tanzen. Und Rüdi macht dann ein Foto davon für meine Dokumentation!" Also tanzen wir, was bestimmt lustig aussieht, da unsere Begabungen eher im Bereich Schreiben und Musik machen angesiedelt sind. Ich würde dir sehr gerne ein Bild dieses Moments präsentieren. Leider ist keines davon was geworden. Trotz Top-Fotograf mit Schmackes-Ausrüstung. Legt die Vermutung nahe, dass jemand von ganz oben die Finger mit ihm Spiel hatte. Damit keiner den Jammer nachträglich mit ansehen muss. Die Fotos der Musik machenden TETs sind ja aber sowieso viel schöner. Also guck lieber auf sie:



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Uffpassa - der Rausch hat uns im Griff


Wir alle sind an diesem Abend berauscht. Mit dem Unterschied, dass wir dazu keinen Alkohol brauchen. Die Musik-Verrückten befinden sich im Musik-Rausch. Die Schreib-Verrückte baut sich schon die ersten Storys im Kopf zusammen. Der Fotografie-Verrückte indes kriegt seit geraumer Zeit von seiner Außenwelt sowieso nix mehr mit. Ist bei Rüdi immer so. Fotoapparat in der Hand und zack, ist der Rausche-Schalter an. Sogar Enzo erkennt dies sofort: "Na, das ist ja mal ein Verrückter". Das schönste Kompliment überhaupt.

Es scheint, dass die Gattung der Musikbegeisterten mehr Kondition aufweist als alle anderen. Rüdi und ich werden langsam müde. Und so verlassen wir die Örtlichkeit zwangsweise mitten im Rausch, was Enzo ein bisschen traurig macht. Na, frag da mal uns!

Wie wir am nächsten Tag aus gesicherten Quellen erfahren: Die TETs - brachten das kleine Dorf noch kräftig zum Beben. Bis nachts um halb zwei. Na, was auch sonst! Wir haben nichts anderes erwartet bei so viel Leidenschaft und dem Slogan Du. Wir. Party.



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