Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























20. November 2017:
Herzklopfen



Ein harmloser Anruf bringt mein Herz zum Rasen. Ich muss verrückt sein. Habe soeben einen Termin in Stuttgart vereinbart. Mitten auf der Königstraße, der schlimmsten aller denkbaren Gefahrenzonen. Eine prominente Dame will mich kennen lernen. Wegen einer Story…



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©Rüdiger Lutz Fotografie



Heute totale Hektik. Ein Kundentelefonat nach dem anderen. Ich bin platt, dabei ist gerade mal zwölf durch. Nun klingelt auch noch mein Handy. Leicht entnervt gehe ich ran. Danach trifft mich der Schlag und ich kann vor zittrigen Händen kaum noch mein Telefon halten.



Meine Angst und ich 


Wer ein Schisser ist, sollte halt nicht solche Dinge anzetteln. Das haben meine Angst und ich nun davon. Seit Wochen versuche ich eine Dame aus dem TV zu erreichen. Wegen einer Story, die ich unbedingt über sie schreiben will. Wie das so ist bei diesen Herrschaften, kommt man an die ja nicht einfach mal so ran. Sie betreibt ein großes Unternehmen in Stuttgart, mitten auf der Königstraße. Ich rufe zig Mal in meiner naiven Schreibwut dort an und denke, ich werde tatsächlich an sie durchgestellt. Dass das nicht klappt, muss ich nach mindestens fünf Versuchen feststellen. Ich hinterlasse meine Nummer und habe die Sache abgehakt. Wie wenn sich da jemand zurückmelden würde.

Dann habe ich heute plötzlich ihren Ehemann am Telefon. Denn kenne ich auch aus dem TV. Dass mir das Handy vor Schreck nicht sofort aus den Händen fällt, ist ein Wunder. Trotz Schockzustand plaudere ich mit ihm, wie ich auch mit Rüdi plaudere. Ganz normal halt, mit meinen gewohnt humoristischen Einlagen. Er findet meine Story-Idee ganz zauberhaft. Noch viel mehr jedoch, dass ich seine Frau so zauberhaft finde. Er nämlich auch. Deswegen lädt er mich sofort nach Stuttgart ein, damit wir uns näher kennenlernen und darüber sprechen können. Ich sag ja – trotz Angst-Groß-Gefahrenzone. 



Die Angst umorganisieren


Ich rede ziemlich wirr durcheinander. Deswegen kommt Rüdi nicht gleich mit, was gerade los ist. Er checkt nur, dass seine Frau soeben durchdreht. Irgendwie schaffe ich es, ihm unser Vorhaben für den 9. Januar zu erklären. Klar, dass ich ohne meinen Rüdi niemals in die Gefahrenzone aufbrechen würde. Wer soll mich dort sonst beschützen?

Danach ist Frank an der Reihe. Ich teile ihm den Umstand mit, dass wir noch exakt 6 Wochen haben, um meiner Angst klarzumachen, dass Stuggi total super ist und gar nicht gefährlich. Positiv wie immer, antwortet er nur: „Kriegen wir hin!“. Mit einer solchen Überzeugungskraft, dass ich mich sofort geschlagen gebe und meiner Angst flüstere: „He du, wir schaffen das!“

Sicher ist sicher, daher habe ich jetzt noch ein Hühnchen mit der Nervensäge zu rupfen. Irgendeinen Aufstand oder Symptome dulde ich nicht. Wenn schon, dann plane die bitte weiträumig um den 9. Januar herum ein. Weder kurz davor noch an Tag x. Nervensäge guckt wenig begeistert, eher kampfeslustig. Vielleicht sollte ich einen unschlagbaren Deal mit ihr aushandeln. Als Kreative wird mir schon noch rechtzeitig was Nettes einfallen.

 



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