Der Tag beginnt und endet.
Dazwischen schreibe ich.
Also immer!






























Handtaschen sind die reinsten Schwindlerinnen.
Die meisten jedenfalls. Deine auch!


Was tun bei Panikattacken

Er kreiert stilvolle Handtaschen. Schublade auf. Aha, so ein hipper Designer also. Schublade zu. Und schon sitzt Dirk Römer in diesem Klischee, aus dem er sofort wieder rauspurzelt. Ich kann's jetzt ja zugeben. Das Klischee hatte mich anfangs auch im Griff. Bis ich mit ihm telefonierte. Dabei festgestellt: Wow, er ist ja total normal. Und richtig nett. Das links ist übrigens eine seiner handmade in germany gefertigten Taschen. Ganz was Feines! 


Alle Fotos dieses Beitrags: Rüdiger Lutz Fotografie


Wenn kein hipper Designer, was isser denn dann? Schließlich stellen er und seine Frau Silke Hanford tolle Ledertaschen in Einzelanfertigung und Kleinserie her - handmade in germany. Also richtig! Von vorne bis hinten. Damit kriegen Sie von mir den Heldenstatus verliehen. Na, die beiden trauen sich ja was im Haifischbecken der Mode-Industrie. Schwimmen mir nix, dir nix gegen den Strom. Weil ... pssst ... wusstest du schon? Das mit dem Label und made in germany? Bestimmt nicht! Am besten, du holst dir dazu mal fix deine Handtasche auf den Schoß. 



Du musst jetzt ganz stark sein!


Weil, dein Leder ist ein bisschen igitt. Hat in Chlor 6 gebadet. Richtig lange und doll. Zum Gerben. Das ist giftig. Krebserregend zudem. Macht man meistens in Indien. Da schicken viele Hersteller ihr Leder hin. Die ärmsten der Armen stehen dann bis zu den Knien im Gift, um das Leder deiner Handtasche zu gerben. Danach geht die Reise weiter. So ne Handtasche kommt schon rum in der Welt. Nun geht's in ein Billiglohnland. Dort ist es unter der Fittiche einer der vielen tausend Arbeiterinnen und Arbeiter. Die werden alle in eine unschöne Fabrik gepfercht und müssen 12 Stunden am Tag schuften. In Akkord. Damit deine oder meine Handtasche gebrauchsfertig wird. Also nähen sie zack, zack eine nach der anderen in Rekordzeit zusammen. 



Achtung, jetzt kommt der Made-in-sowieso-Clou

Deine Tasche kommt nach Hause. Ne, noch nicht zu dir, in ihr Made-in-sowieso-Hersteller-Land. Einfach in diesem Land fix das Label platzieren und schon darf sich das Stück made in sowieso nennen. Tja, die reinste Schwindlerin also, deine Handtasche! Da das alles ein bisschen arg negativ war, würde ich mich nun lieber Schönerem zuwenden. Dazu erst mal ein paar Fotos.



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Wenn du dir die Bilder anschaust, siehst du zwei Dinge. Erstens mich. Stolz wie Oskar. Zweitens eine Tasche, die definitiv nicht schwindelt. Die hat zwar auch eine Reise hinter sich. Allerdings nur von Düsseldorf nach Schwäbisch Hall. Sie musste weder in giftigem Chlor 6 abtauchen noch hat sie je die Grenze eines Billiglohnlandes übertreten. Das merkt man ihr an. Sie ist darauf nämlich auch ein bisschen stolz. 

Als würde das nicht reichen, gibt es einen dritten im Bunde, dem vor Stolz fast die Kamera aus der Hand fällt. Meinem Rüdi. Sehr praktisch, einen Fotografen als Ehemann zu haben. Bringt im Ergebnis für alle Abenteuer und Erlebnisse sofort Beweis-Bilder für die Ewigkeit. Er durfte übrigens noch nie eine solche Spitzentasche fotografieren. Schon gar nicht zusammen mit seiner Frau. Klar, dass wir deshalb völlig aus dem Häuschen waren. Um nicht gar zu arg aufzufallen, legten wir unseren Shooting-Ausflug auf einen Sonntag Morgen. Punkt acht Uhr standen wir in der Stadt. Alles ruhig. Nur ein verrückter Fotograf nebst Gattin mit einer nicht schwindelnden Handtasche zu sehen.



Düsseldorf und Schwäbisch Hall - best friends!


Ach, unser Heimatstädtchen ist herzallerliebst und damit bestens geeignet für derlei Angelegenheiten. Vereinzelte Haller schauten uns an diesem schönen Morgen zwar schon ein bisschen komisch an. Wir gaben ein herrliches Bild ab. Vor allem, als wir dieses tolle Münz-Kunstwerk vor den Türen der Sparkasse entdeckten. Damit kann man einiges kreativ anstellen, wie man sieht.



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Seit diesem Tag mache ich einen großen Bogen um alle anderen Handtaschen. Ich lass mich doch nicht rotzfrech anschwindeln. Dirk Römer und Silke Hanford wiederum finde ich klasse. Wer traut sich schon, seinen Traum und seine Werte in solcher Konsequenz zu leben? Viele andere gehen lieber den einfachen Weg. Lebensträume aber lassen sich damit nicht verwirklichen. Solche Menschen mag ich. Deshalb kriegen die beiden mit ihren Ledertaschen rundum handmade in germany auch ein Plätzchen in meinem Blog.



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